Entwurmung- notwendig oder überflüssig? - Kleintierpraxis und Tierpension Dr. med.vet. Holtmann in Herford

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Entwurmung- notwendig oder überflüssig?

Bei unserer heutigen hohen Haustierdichte ist es unvermeidbar, dass unsere Haustiere mit den Ausscheidungen und Sekreten anderer Artgenossen oder Tiere (Schnecken, Igel, Vögel, Wildtiere, Flöhe, Stechmücken), die als Überträger oder Zwischenwirt fungieren können, in Kontakt kommen.

Die infektiösen Stadien werden in der Regel durch Riechen, Lecken oder den Verzehr oral aufgenommen und entwickeln sich je nach Wurmart in unterschiedlichen Organen und können in den Zielorganen in Abhängigkeit von ihrer Infektiosität und Lokalisation unterschiedliche Krankheitsbilder hervorrufen.

SpulwurmIn unseren Breitengraden am stärksten verbreitet sind Parasiten des Magen- Darm- Traktes, die milde Symptome (Schlittenfahren beim Auswandern der Larven aus dem After) bis hin zu schweren Allgemeininfektionen (Durchfall, Blutarmut, Abmagerung, Erbrechen) hervorrufen können.

Verstärkt in den Fokus getreten sind aber auch Infektionen mit Lungenwürmern (Angiostrongylus vasorum, Crenosoma vulpis). Galten Infektionen mit diesen Parasiten früher eher als im Ausland erworbene Reiseparasitosen, zeigen neuere Studien eine Befallsrate von 5-6% bei Hunden mit behandlungsresistenten Atemwegsinfektionen. Diese zunehmende Inzidenz wird einerseits auf das vermehrte Auftreten und Vordringen der natürlichen Wirte (Fuchs, Dachs) in den urbanen Lebensraum zurückgeführt, andererseits durch das verstärkte Vorkommen des Zwischewirtes (Schnecken), deren Verzehr zur Aufnahme der infektiösen Larven führt, die sich nach einer Wanderung und Weiterentwicklung letztlich in der Lunge des Wirtes einnisten und dort massive Schäden hervorrufen können.

Bisher eher selten in Deutschland aufgetreten ist der orientalische Augenwurm (Thelazia Callipaeda), welcher durch Fruchtfliegen übertragen wird. Dieser Parasit ruft im Anfangsstadium leichte Bindehautentzündungen hervor, im ungünstigsten Fall kann es zu einer dauerhaften Erblindung kommen.

Bisher vorrangig nur als Importkrankheit bekannt ist die Infektion mit Hautwürmern (Dirofilaria repens) und Herzwürmern (Dirofilaria immitis), deren infektiöse Stadien durch Stechmücken übertragen werden. Von ersten Fällen bei Hunden, die nachweislich nie im Ausland gewesen sind, ist aber berichtet worden. Bereits 2013 konnten Mitarbeiter des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNI)/Hamburg den Hautwurm in drei einheimischen Stechmückenarten nachweisen.

Einige der genannten Parasiten, wie beispielsweise der Hautwurm, einige Band- und Spulwurmarten sind zudem sogenannte Zoonose- Erreger, das heisst sie können von unseren Haustieren auf den Menschen übertragen werden und dort ebenfalls verschiedene Krankheitsbilder hervorrufen (Echinokokkose, Toxoplasmose, etc.).

 

Wie kann ich aber nun mein Haustier und dadurch letzten Endes auch mich optimal schützen?

Die beste Vorsorge ist eine regelmäßige Entwurmung mit auf ihre Wirksamkeit getesteten Präparaten, die auf die individuellen Risiken des Tieres abgestimmt sind bzw. im Falle von Auslandsaufenthalten eine Stechmückenprophylaxe um eine Infektion nach Möglichkeit sogar zu verhindern.

Als Alternative ist eine Untersuchung von Sammelkotproben möglich. Dafür müssen von verschiedenen Kothaufen über mehrere Tage Proben genommen werden, die dann in unserer Tierarztpraxis oder einem Labor untersucht werden. Sammelkotproben sind deshalb wichtig, da Wurmeier und -larven diskontinuierlich ausgeschieden werden. Je nach dem angewendeten Verfahren (Flotation, Auswanderverfahren) werden aber nicht alle Parasiten erfasst. Bei einigen der genannten Parasiten (Lungen-, Haut- und Herzwurm) besteht die Möglichkeit einer Blutuntersuchung, die allerdings erst mehrere Monate nach einer Infektion aussagekräftig ist.

Auf der Seite der ESCCAP (European Scientific Counsel Companion Animal Parasites)- www.escaap.de- können sie einen Entwurmungstest durchführen, der ihnen Aufschluss gibt über das individuelle Risiko ihres Hundes.

Für weitere Fragen stehen Ihnen die Mitarbeiter unserer Praxis gerne zur Verfügung.